Von der Geldschwemme zum Crash

Gleichwohl: Die Geldschwemme bewirkt, wenn schon nicht den Geldwertverlust, so zumindest ein ständig steigendes Geldmengenvolumen, welches in irgendeiner Form sinnvoll eingesetzt werden will. Vor allem dann, wenn pfiffige Köpfe in den Zentralbanken dann noch auf die Idee kommen, Geldguthaben mit Negativzinsen zu belegen.

Was also tut der schlaue Kapitaljongleur? Er sucht nach Wegen, mit dem billigen Geld für sich selbst Gewinn zu schöpfen. Und welche fallen ihm dazu ein? Nun, zum einen könnten es, dank inflationärer Geldvermehrung jedoch nur mit kleinsten Zinssätzen versehene Staatsanleihen von jenen wenigen Volkswirtschaften sein, denen der Kapitaleigner zutraut, diese Schulden auch künftig zu bedienen. Das aber ist nur ein Notnagel. Spannender ist die gern als „Flucht“ bezeichnete Anlage des überschüssigen Geldes in Werte, die jede Inflation und am besten auch jeden Crash überleben. Besonders beliebt: Immobilien. Die gelten als vergleichsweise sicher. Vorausgesetzt, der Staat, in dem sich diese Immobilien befinden, gerät nicht in revolutionäre Strudel, in deren Verlauf irgendwelche am Ende erfolgreichen Revolutionäre auf die Idee kommen könnten, derartiges Privateigentum im Handstreich zu enteignen. Das hat es in der Vergangenheit schon häufiger gegeben – zuletzt in großem Maße bei der Übernahme von Teilen des Deutschen Reichs durch die Sowjetunion. Deshalb gilt bei Immobilienkäufen als Kapitalsicherung grundsätzlich: Nur dort, wo davon auszugehen ist, dass die staatlichen Strukturen auch erhebliche Erschütterungen überleben können. Kommt es zum inflationsbedingten Zusammenbruch des Staates, mögen die immobilen Werte zuvor im Geldwert ungeahnte Höhen erreicht haben – um dann im Crash zu erodieren. Aber sie sind immer noch da. Auch nach dem Crash.

Ein anderer Weg ist der Massenankauf von Geschäftsanteilen, was zumeist in Aktienkäufen oder auch kompletten Geschäftsübernahmen erfolgt. Auch die verlieren beim Crash erheblich an Wert – und Unternehmen, die auf tönernen Füßen stehen, können in solchen Krisensituationen schnell auch Bankrott gehen. Unternehmen aber, die auf soliden Beinen stehen und Produkte an den Markt bringen, die auch nach dem Crash gebraucht werden, überleben den Zusammenbruch. Die Aktienkurse mögen zwar vorübergehend in den Keller stürzen – aber der Anteilsschein behält seinen Realwert, solange das Unternehmen selbst besteht.

Ein noch anderer Weg, der jedoch für Geldtransaktionen im großen Stil wenig Sinn macht, ist der Kauf von Edelmetallen. Deren Wert steigt in Krisenzeiten zumeist auch dann, wenn mit dem Metall selbst wenig Sinnvolles anzufangen ist. Ist die Krise überwunden, sinkt der Wert wieder auf Normalmaß – aber das Metall ist im Gegensatz zum Bargeld immer noch da.

Nehmen wir die aufgezeigten Möglichkeiten als Indikatoren eines nahenden Wirtschaftskollaps, so werden wir im Vorfeld des Zusammenbruchs eine Inflationierung der Geldmenge, einen Run auf Immobilien mit ständig steigenden Immobilienpreisen, Höhenflüge an den Aktienbörsen und steigende Goldpreise erleben. Schauen wir nun auf die aktuelle Marktentwicklung – nunja, nicht nötig, das weiter auszuführen.

Forschungsgemeinschaft Ethik Politik New York – Hamburg – Danzig

Rechte an Text halten Torsten Kurschus, Tomas Spahn, Tobias Fank