Euro ohne Wert und dennoch wertvoll

Apropos Euro: Als die neue Währung am 1. Januar 2002 als Bargeld zu jenem Kurs mit 2 DM zu 1 € eingeführt wurde, belief sich die Bargeldmenge auf 2,239 Billionen Euro. Insgesamt – Buchgeld inklusive – waren gefühlte 5,428 Billionen vorhanden. Bis zum Januar 2019 hatten Draghi und seine Vorgänger die Bargeldmenge auf 9,234 Billionen und die Gesamtmenge auf 12,272 Billionen Euro aufgebläht. Bezogen auf jenen Wechselkurs von 2002 ist damit der Bargeld-Euro heute nur noch 50 Pfennig und der Buch-Euro noch 88 Pfennige wert – was wiederum deutlich macht, dass deutlich zu viel Bargeld im Umlauf ist. Das allerdings ist gewollt, um dadurch den Konsum anzukurbeln, und wird durch Negativzinsen unterstützt.

Mit der Deutschmark wurde auch die Idee einer Golddeckung abschließend zu den Akten gelegt. Ihr Wert ergab sich durch die Gesamtleistung des Deutschen Staates – also dem, was das deutsche Volk (das man damals noch so bezeichnen durfte, ohne als Nazi abgestempelt zu werden) zu schaffen in der Lage war. Da die Deutschen (West) nach 1949 sehr fleißig und immer noch innovativ waren, konnte die DM sich ein weltweites Vertrauen erarbeiten – sie galt neben dem Schweizer Franken als „harte“ und damit sichere Währung.

Bei der Umstellung auf den Euro sollte der gefühlte DM-Bonus auf die neue Währung übertragen werden. Damit aber war es spätestens mit Draghi vorbei. Seitdem der Ex-Vizechef der Investment-Bank „Goldman Sachs International“ das Ruder in die Hand genommen hat, gibt es als realen Gegenwert des Euro nur noch das Vertrauen in dessen Wort. Wie der Wechselkurs belegt: Bislang hat das allen Unkenrufen zum Trotz funktioniert. Die Papiere, auf denen „Euro“ steht, werden weltweit als Ersatzleitwährung und in so ziemlich allen Schwellen- und Entwicklungsländern als Barwährung akzeptiert.

Vom Golddollar zum Greenback

Damit kommen wir nun zum Dollar. Der „Greenback“ – also der bis heute gültige US-Dollar – wurde am 1. August 1861 offiziell eingeführt. Auch hier ging es darum, einen Krieg zu finanzieren – den des Nordens gegen die Südstaaten. Zuvor gab es in den USA Gold- und Silbermünzen. Der Greenback – so genannt, weil seine Rückseite ursprünglich mit grüner Tinte bedruckt war – verfügte über keine Golddeckung. Er war ein Kreditschein des Finanzministeriums, welches allerdings keinen Kredit zu vergeben hatte. 1913 dann wurde die bis heute tätige „Federal Reserve“ gegründet. Ihr geistiger Vater war der Hamburger Bankier Paul Moritz Warburg. Er entwickelte das Modell einer privaten Zentralbank der Geschäftsbanken, welche wiederum von der Unionsregierung die Geldhoheit übertragen bekommt. Die Folge: Nicht der Präsident der Vereinigten Staaten kann über Geldmenge und Zinssatz entscheiden. Diese Aufgabe liegt beim Präsidenten der kurz „FED“ genannten Institution der zwölf regionalen Federal Reserve Banken, die hinter der BundesFED stehen. Mit dieser Konstruktion sollte sichergestellt werden, dass sich Wert und Ansehen des US-Dollars an geldmarktpolitischen Begebenheiten, nicht aber an regierungspolitischen Wünschen orientiert. Zumindest in der Theorie also ein optimales Modell, um gegen die in der Regel sozialistischen Begehrlichkeiten demokratisch gewählter Politiker gefeit zu sein, die ihre Wähler mit geldwerten Geschenken wie steuerfinanzierten Zusatz- und „Respekt“-Renten zu bestechen suchen. Andererseits aber auch die Verführung für die Banker, Geldpolitik im Sinne der privaten Vermögensmehrung zu missbrauchen.

Bemerkenswert an dem US-Modell ist, dass jenes bedruckte Papier, das weltweit als US-Währung begriffen wird, eigentlich nichts anderes ist als ein Kreditversprechen der an der FED beteiligten US-Banken. Sollten diese Banken pleitegehen und das Kreditversprechen mangels Masse nicht mehr einlösen können, wäre der US-Dollar über Nacht wertlos – auch das ein Grund, warum 2008 mit der Lehman-Pleite Panik aufkam. Die Banken sind untereinander durch zahllose, für Außenstehende undurchschaubare Geschäfte miteinander verzahnt – und kippt die erste Bank, dann schnell die zweite und die dritte undsofort. Domino-Effekte können hier schnell das gesamte System zum Einsturz bringen. Nicht zuletzt aber durch das Opfern zahlreicher Regionalbanken sowie dem Anwerfen der Gelddruckmaschinen gelang es 2008, die ganz große Katastrophe noch zu verhindern.

Damit endet die Glosse. Bald kommt ein neuer Artikel von uns heraus.

Forschungsgemeinschaft Ethik Politik New York – Hamburg – Danzig

Rechte an Text halten Torsten Kurschus, Tomas Spahn, Tobias Fank