Die deutschen Währungsschnitte

Die Inflationierung der Geldmenge bei gleichzeitig rasant steigender Staatsverschuldung kann neben dem Versuch, die Schuldenlast durch fließende Geldentwertung zu minimieren, auch auf anderem Weg gelöst werden. Womit wir beim Deutschen Reich der Zwanzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts sind. Damals wurde auf Teufel-komm-raus Reichsmark gedruckt. Die mühsam angehäuften Sparguthaben verloren von Tag zu Tag mehr an Wert – und am Ende bekam man für das, wofür man sich vor der Inflation noch ein Mehrfamilienhaus kaufen konnte, nicht einmal mehr ein Brötchen. Das galt selbstverständlich auch für Staatsschulden – weshalb die Westalliierten des Krieges 1914/18 in weiser Voraussicht ihre exorbitanten Reparationsforderungen an das Reich in Goldmark festschreiben ließen und so letztlich die Machtübernahme Hitlers beförderten. Um die steigenden Staatsaufwendungen bedienen zu können, waren bereits im Krieg sogenannte Kriegsanleihen ausgegeben worden. Patriotische Deutsche tauschten ihr Vermögen gegen Papier. Rund 98 Milliarden Reichsmark flossen so in die Kriegskasse – ungefähr 60 Prozent der deutschen Gesamtaufwendungen für die kollektive Massenvernichtung. Mit der Inflation von 1923 war die Reichsregierung zumindest diese Schuldenlast los –und der enthusiastische deutsche Patriot der Dumme.

Am Ende der Geldwertvernichtung durch Inflation stand die Währungsreform. Währungsreformen bedeuten, dass das bisherige Geld für wertlos erklärt wird. Wer es noch als Zahlungsmittel annimmt, ist selber schuld. Da in den hochkomplexen Wirtschaftsabläufen jedoch nichts ohne diese Schuldverschreibung namens Geld läuft, muss ein Ersatz her. Denn wenn das Geld nichts mehr wert ist, dann leidet die Wirtschaft. Wer über etwas Werthaltiges verfügt, gibt es gegen Geld nicht mehr weg – Produktionsabläufe kommen zum Halten, Produkte werden gehortet, aber nicht verkauft.

Hier sind dann wiederum die Staatsbanken gefragt. Haben sie zuerst die Inflation organisiert, schaffen sie nun eine neue Währung, deren Wert sie durch irgendetwas zu garantieren suchen.

Als im Sommer 1923 die Altschulden durch die Inflation beseitigt waren, startete in Deutschland der Versuch der Einführung von Papierzetteln mit dem Aufdruck „Goldmark“ oder „Golddollar“. Diese Zettel sollten als Übergangsgeld dem Besitzer garantieren, dass er dafür als „Schatzanleihe“ den Anspruch auf einen entsprechenden Anteil des staatseigenen Gold- oder Dollarbestandes haben sollte. Jedoch: Da die inflationsgeschädigten Bürger noch in guter Erinnerung hatten, dass das Reich 1914 im Handstreich die bis dahin bestehende Golddeckung ersatzlos gestrichen hatte, so aus der Goldmark die nun völlig wertlose Papiermark geworden war und die Deutschen darüber hinaus in den Dollar kein rechtes Vertrauen hatten, scheiterte das Projekt.

Erfolgreich war jedoch der nächste Versuch, das total entwertete Bargeld durch etwas anderes zu ersetzen. Der Staat gründete die Rentenbank, und diese gab ab dem 15. November 1923 Rentenbanknoten heraus, die durch Hypotheken auf den staatlichen Grund und Boden gedeckt waren. Der Besitzer einer „Rentenmark“ – so hieß die neue Währung offiziell – wurde somit gefühlter Miteigentümer am ihn umgebenden Bau- und Ackerland. Darunter konnten sich die Menschen etwas vorstellen – man konnte es auch dem Staat nicht enteignen oder einfach verschwinden lassen. Und so wurde die Rentenmark als neue Währung zum Erfolg. Ein Jahr später wagte die Regierung dann den nächsten Schritt. Während die Rentenmark offizielles Zahlungsmittel blieb, aber langsam vom Markt verschwand, wurde nun die Reichsmark eingeführt. Ihr Tauschverhältnis zur Rentenmark war 1 zu 1 – und zur alten Papiermark 1 zu 1 Billion (eine 1 mit zwölf Nullen). Bei dieser Reichsmark wurde dem Bürger das Gefühl vermittelt, dass sie wie vor 1914 durch Gold gedeckt sei. Einer Reichsmark wurde der 2790ste Teil eines Grammes Gold zugewiesen. Dagegen tauschen allerdings konnte man die neue Reichsmark nicht – sie tat aber so, als verfüge der Staat über das entsprechende Goldvermögen, welches den Wert des Geldes decke. Ein hübscher Taschenspielertrick, den die Menschen glaubten. Und so konnte die neue Reichsmark sich bis zur erneuten Währungsreform, als 1948 je nach Region entweder die D-Mark und die Mark der DDR als gesetzliches Zahlungsmittel eingeführt wurden, halten. Bis zu diesem Zeitpunkt allerdings hatte auch die neue Reichsmark durch Inflation und Kriegsausgaben erheblich an Wert verloren. Als Adolf Hitler an die Macht kam, waren Banknoten im Wert von 4,2 Milliarden Reichsmark in Umlauf. Als er es vorzog, der Aburteilung durch die Kriegssieger durch Selbsttötung zu entfliehen, waren es 73 Milliarden. Rein mathematisch hatte damit die Reichsmark von 1945 nur noch 17ten Teil des Wertes von 1933.

Am 20. Juni 1948 bekam jeder Bürger der „Trizone“, auch als westliche Besatzungszonen bekannt, in der neuen Währung 40 Deutsche Mark. Dafür hatten die Alliierten Noten im Wert von 5,7 Milliarden DM in New York und Washington drucken lassen, die heimlich über den Atlantik gebracht worden waren. Die Geldmenge wurde in den Folgemonaten auf rund 13 Milliarden DM aufgestockt.

Die alte Reichsmark war über Nacht als Zahlungsmittel wertlos geworden. Die Deutschen konnten jedoch ihre Bestände bis zum 26. Juni auf ein Zentralbankkonto einzahlen und den Umtausch beantragen. Für Bar- und Kontogeldbestände gab es 6,50 DM auf 100 Reichsmark. Allerdings nur, soweit ihr rechtmäßiger Erwerb nachgewiesen werden konnte. Gehälter, Mieten und ähnliches wurden mit 1 zu 10 umgestellt. Trotzdem hält sich bis heute die Mär, mit der Einführung der DM hätten alle Bürger mit demselben Betrag über 40 DM starten können. Dem war selbstverständlich nicht so – und wer über andere Güter als Reichsmark verfügte, konnte diese ohnehin nach Belieben in die neue Währung tauschen, sprich: verkaufen.

Eine ähnliche Prozedur gab es in Deutschland dann ein weiteres Mal , als die Länder der DDR 1990 der BRD beitragen. Die „Ostmark“ wurde bei Barvermögen im Verhältnis zwei Mark der DDR zu eine DM umgetauscht. Damit war sie zwar hoffnungslos überbewertet, jedoch ging die Politik damals davon aus, andernfalls einen Aufstand der Neubürger zu riskieren.

Und noch einmal mit der Einführung des Euro mussten nun alle Bundesdeutschen ihre harte DM wieder im Verhältnis von ungefähr zwei zu eins gegen das neue Geld tauschen. Durch Realwert gedeckt ist der Euro übrigens ebenso wenig wie zuvor die DM. Nur durch die Versicherung des jeweiligen Zentralbankchefs, dass das Papier seinen Aufdruck wert sei. Und das ist es auch, solange der Geldinhaber es gegen Waren tauschen kann.

Forschungsgemeinschaft Ethik Politik New York – Hamburg – Danzig

Rechte an Text halten Torsten Kurschus, Tomas Spahn, Tobias Fank